GELA
Rositta Virag
Lehen 67
A-5311 Innerschwand am Mondsee
Tel. + Fax: +43 (0)6232 6150
Email: info@gela.at

 
Willkommen
VERANSTALTUNGEN
LICHTEXPRESS
  Lichtexpress 77 - Anfang 2019
  Lichtexpress 75/76 - Herbst 2018
  Lichtexpress 74 - Frühjahr 2018
  Lichtexpress 73 - Sommer 2017
  Lichtexpress 72 - Frühjahr 2017
  Lichtexpress 71 - Winter 2016/17
  Lichtexpress 70 - Herbst 2016
  Lichtexpress 69 - Frühjahr 2016
  Lichtexpress 68 - Winter 2015/16
  Lichtexpress 67 - Herbst 2015
  Lichtexpress 66 - Frühjahr 2015
  Lichtexpress 65 - Winter 2014/15
  Lichtexpress 64 - Sommer 2014
  Lichtexpress 63 - Winter 2013/14
  Lichtexpress 62 - Herbst 2013
  Lichtexpress 61 - Sommer 2013
  Lichtexpress 60 - Frühjahr 2013
  Lichtexpress 59 - Winter 2012/13
  Lichtexpress 58 - Herbst 2012
  Lichtexpress 57 - Sommer 2012
  Lichtexpress 56 - Frühjahr 2012
  Lichtexpress 55 - Winter 2011
  Lichtexpress 54 - Okt./Nov. 2011
  Lichtexpress 53 - Juni 2011
  Lichtexpress 52 - April/Mai 2011
  Lichtexpress 51 - März 2011
  Lichtexpress 50 - Feb. 2011
  Lichtexpress 49 - Jan. 2011
  Channelings
  Aufstieg/Ascension & Spirituelles
  Gesundheit
  Umwelt
  English News
ONLINE SHOP
Lichtexpress Archiv
Meditationsthemen Archiv
Teilnehmerstimmen
Erfahrungsberichte
Spenden und Sponsor-Topf
Links
 

 
Newsletter
Jetzt abonnieren!
 

 
Seitensuche
 

DER BUDDHA IN JEDEM VON UNS - Gehirnforschung bestätigt, was Mönche schon immer wussten - von Thomas Va?ek


Eine Revolution der Hirnforschung verändert unser Menschenbild: Das Gehirn ist viel wandlungsfähiger, als wir dachten.

Seine Heiligkeit suchte den Geist. Doch was der Dalai Lama auf dem Monitor sah, war bloß eine gräuliche, gallertartige Masse. Materie, nichts als Materie.

Ende der 1990er Jahre durfte das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus an einer US-Klinik einer Gehirnoperation beiwohnen. Stundenlang verfolgte der Dalai Lama die Demonstration westlicher Hochleistungsmedizin. Es war eine Begegnung zwischen fremden Welten. Auf der einen Seite die moderne Neurowissenschaft, aufgerüstet mit Hightech-Computern und riesigen, gefährlich brummenden Kernspintomografen – auf der anderen Seite die kontemplative Welt buddhistischer Klöster und fernöstlicher Spiritualität.

Nach dem Eingriff plauderte der Dalai Lama noch ein wenig mit den Chirurgen. Der Mann aus Tibet erzählte, wie ihm Neurologen einmal die Funktionsweise des Gehirns erklärt hatten. Welche neuronalen Schaltkreise für die Wahrnehmung zuständig seien. In welchen Hirnregionen sich Erinnerungen bildeten. Wie unsere Emotionen entstünden. Dass auch das menschliche Bewusstsein nur das Produkt elektrochemischer Prozesse sei – und mit dem Tod auch unser Selbst erlösche.

Doch eine Frage lasse ihn seither nicht los, sagte der Dalai Lama zu den Neurochirurgen: "Wenn das Gehirn das Denken hervorbringe – könne dann unser Denken nicht auch die Schaltkreise in unserem Gehirn verändern? Der Geist also zurückwirken auf die Materie?"

Die Chirurgen waren irritiert. "Das sei natürlich unmöglich", antwortete einer von ihnen freundlich, aber bestimmt – geistige Aktivitäten hätten keinerlei physikalischen Einfluss auf das Gehirn.

Der Dalai Lama ließ es dabei bewenden. Die Behauptung des Chirurgen stand nicht bloß im Gegensatz zur jahrtausendealten Tradition buddhistischen Denkens, sie widersprach auch den bahnbrechenden Erkenntnissen einiger Revolutionäre der Neurowissenschaft.

Unser Gehirn kann sich demnach immer wieder neu verdrahten. Ständig baut es sich um, knüpft neue Netzwerke und Verbindungen. Da können ganze Hirnregionen expandieren oder mit anderen verschmelzen. Da können Hirnareale, die eigentlich fürs Sehen zuständig sind, plötzlich hören oder fühlen. Und das Gehirn kann auch beschädigte Regionen wiederherstellen – und sogar neue Nervenzellen produzieren.

»Neuroplastizität« heißt diese wundersame Wandelbarkeit. Unser Gehirn reagiert auf die Umwelt, auf neue Anforderungen und Erfahrungen. Und immer mehr Hirnforscher sind heute davon überzeugt, dass die scheinbar naive Frage des Dalai Lama zutiefst berechtigt war. Einerseits bringt das Gehirn unser Denken hervor. Doch zugleich verdichten sich die Hinweise, dass unser Denken auch das Gehirn verändert – und zwar viel tiefgreifender, als wir jemals dachten.

Die Erkenntnis könnte unser Bild vom Selbst revolutionieren, meint der Neuropsychiater und Buchautor Norman Doidge ("Neustart im Kopf", Campus Verlag) – mit weitreichenden Konsequenzen für unser Leben, für Medizin und Psychotherapie, für Erziehung, Kultur und Gesellschaft.

Je mehr Sie Ihr Gehirn trainieren, desto leistungsfähiger wird es. Forscher können es jetzt beweisen.

Bei Experimenten setzten Hirnforscher buddhistischen Mönchen 256 Elektroden an die Kopfhaut, um die Gehirnströme bei der Meditation im EEG zu erfassen.

Die Entdeckung der Neuroplastizität widerspricht den mechanistischen Vorstellungen, von denen die Neurowissenschaft mehr als ein Jahrhundert lang ausgegangen war. Nur in der frühen Kindheit, so waren die Forscher überzeugt, können neue Nervenzellen und neuronale Schaltkreise entstehen. Das erwachsene Gehirn hingegen galt als fest verdrahtet und starr. Zwar führen Lernprozesse zur Verstärkung synaptischer Verbindungen, doch diese Veränderungen hielt man für lokal begrenzt und geringfügig. Im Großen und Ganzen schien das Gehirn unwandelbar – wie eine Maschine.

Die Revolution der Gehirnforschung verändert unser Menschenbild: Das Gehirn ist viel wandlungsfähiger, als wir dachten. Mit der Kraft des Geistes ist fast alles möglich - buddhistische Mönche wussten es schon immer.

Im 19. Jahrhundert begannen Neuroanatomen, Hirnfunktionen zu lokalisieren. Systematisch kartierten sie das Gehirn wie einen neu entdeckten Kontinent. Die Sprachareale. Die Seh- und Hörzentren. Die motorischen Regionen, die unsere Bewegungen steuern: Für jeden Körperteil gab es im Gehirn offenbar eine eigene Kommandozentrale – vom Mund bis zum kleinen Zeh. Aber stand diese Hirntopografie wirklich unverrückbar fest?

Zu den Zweiflern gehörte Michael Merzenich. Der US-Forscher gilt als einer der Pioniere der Neuroplastizität. Bis heute arbeitet der 66-jährige emeritierte Professor der University of California, San Francisco, an Methoden, um das menschliche Gehirn leistungsfähiger zu machen. Ein von ihm entwickeltes Computerprogramm hilft offenbar nicht nur Kindern mit Leseschwäche, sondern auch älteren Menschen, die unter Sprachstörungen leiden. All seine Forschungen kreisen um die Idee, dass sich das Gehirn immer wieder neu erfinden kann.

Berühmt wurde Merzenich in den 1970er Jahren durch ebenso einfallsreiche wie grausame Tierexperimente. Dazu setzte er einem Affen Elektroden ein und kartierte die Hirnregion, die für die Steuerung der Hand zuständig war. Danach amputierte der Forscher den Mittelfinger des Tieres. Nach einigen Monaten zeigte sich, dass die Hirnregion für den amputierten Finger verschwunden war. Zugleich hatten sich die Areale für die benachbarten Finger ausgedehnt. In einem ähnlichen Versuch nähte Merzenich zwei der Finger zusammen, sodass der Affe sie nur gemeinsam bewegen konnte. Wenige Monate später waren die ursprünglich getrennten Hirnareale, die für die Steuerung der Finger zuständig waren, zu einem einzigen verschmolzen! Ähnliche Veränderungen beobachteten Hirnforscher bei Menschen mit besonderen feinsensorischen Fähigkeiten, etwa bei Gitarren- und Geigenspielern. Offenbar führt häufig wiederholtes Verhalten also zu plastischen Veränderungen im Gehirn. Und wie die »Neuroplastologen« mithilfe moderner Bildgebungsmethoden wie der Kernspintomografie in den letzten Jahren herausgefunden haben, ist das Gehirn zu noch viel erstaunlicheren Leistungen imstande.


Ein blinder Künstler malt, was er noch nie gesehen hat - sein Gehirn erzeugt mentale Bilder

Der türkische Maler Esref Armagan hat noch nie die Sonne, das Meer oder eine Farbe gesehen. Obwohl er von Geburt an blind ist, malt der Künstler erstaunlich realistische Bilder von Gebäuden und Landschaften, die er nur aus Beschreibungen kennt. Doch die eigentliche Sensation liegt in Armagans Gehirn. Während des Malens zeigt sein »visueller Kortex«, also das Sehareal in der Hirnrinde, die gleiche intensive Aktivität, wie man sie bei einem normal sehenden Menschen erwartet – obwohl die Hirnregion noch nie einen visuellen Reiz empfangen hat. Sein Gehirn »sieht« offenbar mentale Bilder.

Bei einem Experiment , das die US-Hirnforscherin Helen Neville zusammen mit deutschen Kollegen durchführte, mussten blinde Versuchspersonen in einem schalldichten Raum Töne aus verschiedenen Richtungen voneinander unterscheiden. Die Blinden schlugen sich dabei deutlich besser als die Sehenden. Doch das eigentlich Verblüffende war: Während der Aufgabe reagierte nicht das Hörareal, sondern der visuelle Kortex – als könnte ihr Gehirn die Töne sehen. Wie weitere Studien gezeigt haben, kann der visuelle Kortex offenbar auch höhere kognitive Aufgaben wie die Verarbeitung von Sprache übernehmen. Zumindest bei von Geburt an blinden Menschen.


Mentales Trainining kann auch unsere Hirnstruktur plastisch verändern - bis ins hohe Alter

Der US-Neurowissenschaftler Alvaro Pascual-Leone wollte wissen, wie schnell sich das Gehirn reprogrammieren kann. Dazu ließ der 47-jährige Forscher sehende Versuchspersonen tagelang wie Blinde leben. Mit blickdichten Augenbinden irrten die Probanden durch ein Krankenhaus in Boston. Während sie verschiedene Aufgaben durchführten, scannten die Forscher ihr Gehirn. Binnen wenigen Tagen wandte sich der visuelle Kortex neuen Aufgaben wie Tasten oder Hören zu. Zugleich nahm die Aktivität in den für die Verarbeitung von akustischen Reizen zuständigen Regionen ab. Mit anderen Worten: Das Gehirn der »erblindeten« Probanden hatte sich in kurzer Zeit völlig neu organisiert. »Das Potenzial des erwachsenen Gehirns, sich selbst zu reprogrammieren, ist weit größer als bislang gedacht«, resümierten Pascual-Leone und seine Kollegen in ihrem Fachaufsatz.

Offenbar kann sich das Gehirn nicht nur immer wieder reorganisieren, sondern auch von Grund auf erneuern. Die Bildung neuer Nervenzellen im Gehirn galt lange Zeit als ausgeschlossen. Im Unterschied zu normalen Körperzellen können sich Neuronen nämlich nicht teilen. Zerstörtes Hirngewebe schien unwiederbringlich verloren, die Therapie von hirngeschädigten Patienten daher aussichtslos. Doch auch dieses Dogma lässt sich nicht mehr länger aufrechterhalten. Seit einigen Jahren wissen die Forscher, dass aus neuralen Stammzellen ständig neue Hirnzellen entstehen können.

Für uns westlich geprägte Menschen ist die Idee der Neuroplastizität schwer zu verdauen. »Wie können wir die Kontinuität und Beständigkeit unseres Selbst mit der Tatsache in Einklang bringen, dass sich unser Gehirn ständig verändert?«, fragt Richard Davidson, Hirnforscher an der University of Wisconsin. Die Neuroplastizität sieht der Wissenschaftler als den »wichtigsten Kreuzungspunkt« zwischen westlicher Neurowissenschaft und fernöstlicher Spiritualität.

Nach buddhistischer Auffassung ist das Selbst kein stabiler Zustand, sondern befindet sich in ständigem Fluss. Wir sind, was wir tun. Alles ist veränderbar. Die Entdeckung der Neuroplastizität bestätigt diese Sicht. Auch wenn wir eigentlich an ganz andere Dinge glauben: Tief in unserem Gehirn, so scheint es, sind wir alle Buddhisten! Das führt geradewegs zu der Frage, die der Dalai Lama den Hirnchirurgen gestellt hatte: Können rein geistige Aktivitäten das Gehirn verändern?

Der französische Philosoph René Descartes sah im 17. Jahrhundert Geist und Materie als parallele, strikt getrennte Welten. Nach dieser Auffassung kann weder die Materie den Geist beeinflussen noch der Geist die Materie. Die moderne Wissenschaft hat diese dualistische Sicht jedoch erschüttert. Heute gehen Hirnforscher davon aus, dass alle geistigen Phänomene letztlich das Produkt neurobiologischer Vorgänge sind. Gehirn und Geist sind demnach ein und dasselbe.

Allerdings können die Wissenschaftler bis heute nicht erklären, wie die elektrochemischen Prozesse in unserem Gehirn letztlich geistige Aktivitäten hervorbringen. »Wie passt eine geistige Realität in eine Welt, die gänzlich aus physikalischen Teilchen in Kraftfeldern besteht?«, fragt der Philosoph John Searle. Zwar wissen die Forscher beispielsweise, welche Gehirnvorgänge mit der Wahrnehmung von Farben einhergehen. Doch das sagt nichts über unseren mentalen Zustand, wenn wir etwa die Farbe Rot erkennen. Diese fundamentale »Erklärungslücke« der Neurowissenschaft deutet offenbar darauf hin, dass geistige Phänomene ein gewisses Eigenleben behalten. Schon vor Jahrzehnten formulierte der Nobelpreisträger Roger Sperry, Neurowissenschaftler am California Institute of Technology, die These, dass Denkprozesse »emergente« Phänomene seien – und daher auf jene Hirnsysteme zurückwirken können, aus denen sie selbst entstanden sind.

Hirnforscher Pascual-Leone wollte der Sache auf den Grund gehen. In seinem Labor an der Harvard Medical School ließ er Freiwillige ein einfaches Klavierstück üben. Danach untersuchte er die motorischen Regionen in ihrem Gehirn. Die Veränderungen waren dramatisch: Jenes Areal, das die Fingerbewegungen steuerte, hatte sich ausgedehnt – und umliegende Gebiete auf der Hirnkarte einfach verschluckt. Daraufhin erweiterte Pascual-Leone sein Experiment. Eine andere Gruppe von Versuchspersonen bekam die Aufgabe, sich die Klavierübung einfach nur im Geiste vorzustellen, ohne dabei die Finger zu bewegen. Das verblüffende Ergebnis: Auch bei dieser Gruppe veränderte sich der motorische Kortex. Das rein gedankliche Training aktivierte praktisch die gleichen Schaltkreise wie bei jenen, die das Stück tatsächlich spielten – mit dem gleichen Ergebnis: Das Hirnareal vergrößerte sich!


Spiritualität trifft Hightech-Wissenschaft: Beide können voneinander lernen!

»Geistiges Training allein könnte ausreichen, um eine plastische Veränderung neuraler Schaltkreise herbeizuführen«, meint Pascual-Leone. Wie das genau funktioniert, können die Forscher bis heute nicht erklären. Aufmerksamkeit scheint bei der »Neuverdrahtung« jedoch eine Schlüsselrolle zu spielen.

Mentales Training praktizieren die buddhistischen Mönche schon seit Jahrtausenden. Ihre Meditationspraktiken zielen darauf ab, einen möglichst klaren Bewusstseinszustand zu erreichen. Erfahrene Meditierer können sich stundenlang auf ein einziges Objekt oder ein bestimmtes Gefühl konzentrieren. Wie sie das zustande bringen, interessiert seit einigen Jahren auch die westlichen Wissenschaftler brennend.

Als die ersten Forscher mit ihren EEGs und Hirnscannern in Tibet anrückten, reagierten die Mönche reserviert. Weder war ihnen die moderne Technik geheuer, noch sahen sie die Sinnhaftigkeit der Aktion. Mit Unterstützung des Dalai Lama gelang es schließlich doch, einige Mönche zur Teilnahme an Experimenten zu bewegen. Einer davon war der französische Molekularbiologe und Mönch Matthieu Ricard.

Im Labor von Hirnforscher Richard Davidson ließ er sich 256 Elektroden auf die Kopfhaut setzen und begann zu meditieren. Nach kurzer Zeit zeigte das EEG eine außergewöhnlich hohe Aktivität sogenannter Gamma-Wellen an. Diese hochfrequenten Schwingungen entstehen normalerweise, wenn das Gehirn mehrere Sinnesreize gleichzeitig verarbeiten und zu einem kohärenten Bild zusammenfügen muss – wenn wir beispielsweise in einer Menschenmenge einen Bekannten erkennen. Das Erstaunliche daran: Das Gamma-Signal war extrem stark und verschwand nicht einmal in den Pausen zwischen den Meditationsübungen. Eine Reihe von Studien deuten heute darauf hin, dass Meditation das Gehirn dauerhaft verändert. So scheinen bestimmte Praktiken zu einer Verdickung von Hirnregionen zu führen, die mit Aufmerksamkeit zu tun haben. Laut Davidson können schon zwei Wochen Meditationspraxis messbare Veränderungen im Gehirn hervorrufen. Von diesen Erkenntnissen erhoffen sich die Forscher Fortschritte bei der Therapie von psychischen Krankheiten wie Depression – erste Erfolge haben sich bereits eingestellt. (Photo: Jeff Miller )

Laut buddhistischer Auffassung ist die Welt zwar voller Leiden. Doch nach den »Vier Edlen Wahrheiten« des Buddhismus gibt es einen Ausweg daraus: Durch Meditation können wir uns vom Leiden befreien, indem wir jene Gedanken überwinden, die dieses Leiden hervorbringen. Die Erkenntnisse der Neuroplastiker kommen dieser Sicht nahe. »Der bewusste Akt, über unsere Gedanken anders nachzudenken, ändert genau jene Schaltkreise im Gehirn, die diese Gedanken hervorrufen«, schreibt Sharon Begley, Wissenschaftsredakteurin des US-Magazins »Newsweek«, in ihrem Buch »Neue Gedanken/Neues Gehirn«. Die Neuroplastizität entziehe daher dem »neurogenetischen Determinismus« die Grundlage: Der menschliche Geist kann nicht nur den Einfluss der Gene überwinden, sondern auch die Macht unseres Gehirns!

Die Neuroplastizität, so glaubt Hirnforscher Pascual-Leone, sei eine Art Trick der Evolution, um uns von den Fesseln der Gene zu befreien. Die Natur habe das menschliche Gehirn mit der nötigen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ausgestattet, um auf die Anforderungen der Welt zu reagieren.

Die Wandlungsfähigkeit macht unser Gehirn allerdings auch verwundbar. Jede bittere Erfahrung, jede Kränkung, jede enttäuschte Liebe kann Hirnstrukturen verändern. Und dank der Neuroplastizität könne unser Gehirn paradoxerweise nicht nur erstaunlich flexible Fähigkeiten entwickeln, sondern auch starre Verhaltensweisen und Gewohnheiten, meint Neuropsychiater Doidge – bis hin zur Sucht: »Nur wenn wir die positiven und negativen Auswirkungen der Neuroplastizität verstehen, können wir das Ausmaß der menschlichen Möglichkeiten wirklich erkennen.« Und es ist wiederum die Macht des Denkens auf unser Gehirn, die uns helfen kann, die Schattenseiten der Neuroplastizität zu überwinden. »Die Fähigkeit, unser Gehirn willentlich zu verändern, wird ein zentraler Teil unseres Lebens werden – und unseres Verständnisses davon, was es bedeutet, ein Mensch zu sein«, schreibt Autorin Begley.

Um die Plastizität unseres Gehirns zu nutzen, müssen wir uns nicht die buddhistischen Lehren zu eigen machen. Der »Buddha in uns« hat keine bestimmte religiöse Überzeugung. Eher ist es die Erkenntnis, dass wir Menschen uns in einer »seltsamen Schleife« befinden, wie es der Philosoph Douglas Hofstadter in seinem gleichnamigen Buch ausdrückt. Unser Gehirn bringt zwar das Denken hervor. Doch erst die Kraft des Denkens macht uns zu dem, was wir sind.

Text: Thomas Vašek / P.M. Magazin 01/09
Quelle: P.M. Magazin



entnommen aus: http://www.lebenheute.ch
PDF zum Drucken: http://www.gela.at/web/files/Buddha_in_jedem_von_uns_LICHTEXPRESS.pdf


 
 
   
Copyright © 2007 GELA, All rights reserved