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LESEPROBE aus dem Buch ERSCHAFFUNG DER WELT - von Arcady Petrov - Teil 1


Lesen Sie hier aus dem spannend geschriebenen Erfahrugnsbericht über das innere Sehen des Arcady Petrov und Igor Arepjev.

Trilogie: "Erschaffung der Welt"

Autor: Arcady Petrov

Kapitel 7 und Kapitel 8 aus dem 1.Buch "Rette dich".

Kapitel 7

Mich beunruhigt immer mehr, was Lapschin macht. Der Prozess meiner Selbstentwicklung mit Hilfe des Bildschirmes des inneren Sehens hat mich zur Überzeugung gebracht, dass er tatsächlich nicht bluffte, als er über seine globalen Pläne sprach, die Steuerung der Erde in die Hand zu nehmen. Der Biocomputer ist wirklich eine sehr mächtige Waffe und auch eine Waffe Manipulationen. Jetzt wurde mir klar, warum er von allen, die nach seiner Methodik arbeiteten, so hartnäckig forderte, die Erscheinung der geistigen Vision mit dem nicht sehr passenden Begriff „Biocomputer“ zu bezeichnen.

Das Studium einiger Aspekte des psycholinguistischen Programmierens und die neurophysiologischen Forschungen der kontaktlosen, nichtsensorischen Wechselwirkungen der energie-informativen Beziehungen des Gehirns haben geholfen, sich in dieser komplizierten Frage zurechtzufinden. Diese wurden zunächst in der Akademie und dann im Zentrum der Bioinformationstechnologien durch die Laborleiterin des Forschungsinstitutes traditioneller Behandlungsmethoden von Gehirnerkrankungen, Olga Kokina, durchgeführt. Und das, was ich dem entnehmen konnte, hat mich erschreckt.

Der Mensch als physisches Objekt der Realität befindet sich heute in Bezug auf die äußeren globalen Einflüsse in der Position der Regulierungsinstanz. Das Zentrum der Orientierung in diesem Subjekt-Objekt-Phänomen stellt unser Bewusstsein dar. Eben das Bewusstsein bildet die Grundlage für und ist gleichzeitig der richtende Mechanismus der psychomentalen Wahrnehmung der Wirklichkeit. Wenn Sie Ihr Bewusstsein weiterentwickeln, indem Sie sich an hohen geistigen Werten orientieren, verstehen und akzeptieren, dass der Mensch wirklich nach dem Vor- und Ebenbild Gottes erschaffen wurde, so wählen Sie einen Weg.

Wenn Sie beginnen sich einer Autorität unterzuwerfen, Tag für Tag, Monat für Monat Ihr Bewusstsein als Biocomputer bezeichnen, so wird es eines Tages auch zu einem Biocomputer werden. Dann wird man nicht lange auf einen Könner warten müssen, der kommen und ihren „Biocomputer“ zur Steuerung an sein Bewusstsein anschließen wird. Sie werden nicht einmal bemerken oder verstehen, warum Menschen, die Ihnen früher nahe standen und angenehm waren, sich Ihnen plötzlich entfremden und wiederum andere einen unverhältnismäßig großen Platz in Ihrem Schicksal und Leben einnehmen. Und Sie werden ohne jeden Einwand dazu bereit sein, diesen Menschen alles zu geben, was sie sich nur wünschen. Sie werden nie verstehen, wie das „Anschließen“ geschehen ist, wie der unbewusste Kontakt aufgebaut wurde, in dem Ihnen die Rolle der Unterordnung und der Abhängigkeit zugeteilt wurde.

Ich schreibe das mit einem bitteren Gefühl der Scham und des Leides, da ich mich selbst in einem Lebensabschnitt der Hypnose äußerlich anständiger Hilfsprogramme für kranke Kinder, der Weiterentwicklung des Menschen, seines schöpferischen Potentials und vielem anderen, nicht entziehen konnte. Außerdem half ich diesen Programmierern aktiv, bis zum Gipfel der öffentlichen Aufmerksamkeit und des Erfolges vorzudringen. Ich möchte richtigstellen, dass ich nicht gegen die Entwicklung solcher Techniken bin, sondern ganz im Gegenteil – ich bin dafür. Für sehr wichtig halte ich aber eine bestimmte gesellschaftliche Kontrolle der ideologischen Komponente eines solchen Prozesses. Denn es betrifft uns alle, mehr noch – die zukünftige Menschheit.

Durch die Manipulation eines fremden Bewusstseins ist es ein Leichtes, beliebige Kanäle zu überdecken, die für den Eingang sicherer Informationen dienen. Der Mensch verliert die Möglichkeit die Welt durch seine Sinne adäquat wahrzunehmen. Zum Beispiel gefällt es ihm dann, krank zu sein. Er nimmt in diesem Fall die Unbequemlichkeit der Bettruhe in Kauf, um von seinen Verwandten und ihm nahestehenden Menschen umsorgt zu werden, nicht wissend, dass diese Gefühle des Mitleids für einige dunkle Wesen der feinstofflichen Welt ein gefundenes Fressen sind. Sie entziehen anderen Menschen eben mit Hilfe des Biocomputers (dann ist das wirklich kein Bewusstsein mehr) wichtige Gefühlskomponenten seiner Seele. Einige haben bereits von Energievampiren gehört, aber wie die meisten sagen würden: „Man darf doch nicht alles glauben“.

Früher bezeichnete man das als Teufelsbesessenheit. Jetzt herrscht eine andere Zeit, es wirken andere Kräfte. Sie sind wie eine Art Virus, der anstrebt, in unser Bewusstsein einzudringen, um es zu steuern und letztendlich zu zerstören. Sie haben äußerlich wissenschaftliche, modern klingende, aber nicht weniger gefährliche Begriffe erfunden. Einer davon, der „Biocomputer“. Bedenken Sie, wie viele Menschen in den letzten Jahren durch Computerspiele ihre Gesundheit verloren haben, sogar geisteskrank geworden sind. Ich spreche jetzt über den gewöhnlichen Computer. Aber der Biocomputer von Herrn Lapschin und der einfache Computer haben den gleichen Ursprung. Und dieser Ursprung befindet sich tief  unter der Erde, dort wo die zweite Sonne scheint – der Plasmakern des Planeten oder die feurige Hyäne.

Als sehr charakteristisches Beispiel für den negativen Einfluss des Computers auf den Menschen können die Worte des Akademiemitgliedes V. Gluschkow, des ehemaligen Vizepräsidenten der Akademie der Wissenschaften der Ukraine und ehemaligen Leiters des Instituts für Kybernetik AN USSR, angeführt werden. Er sagte, dass „die Möglichkeiten der Kybernetik und der Computer wahrhaftig grenzenlos seien. Bis zum Jahr 2020 wird der Mensch dem Computer nun auch sein Bewusstsein geben und sich dadurch praktisch unsterblich machen. Der Mensch wird beginnen zu fühlen, dass er er selbst ist und gleichzeitig eine Maschine. Es wird zu einer Bewusstseinsspaltung kommen“ (G. Maksimowitsch, „Gespräche mit dem Akademiemitglied V. Gluschkow“ M., „Molodaja Gwardija“, 1976).

Interessant ist auch, dass Herr Lapschin, auch in unseren Gesprächen, ständig dieses ukrainische Akademiemitglied zitierte. Es scheint, dass die Idee des Biocomputers eben hier entliehen wurde und nach einer gründlichen Überarbeitung in „Massenproduktion“ ging. Und das Rad begann sich zu drehen: „Im Laufe der elektronischen Zivilisation wird der höchste Verstand entstehen. Und dieser höchste Verstand wird jener Gott werden, der nicht nur einen Planeten, sondern das ganze Universum real steuern wird“ („Narodnaja Gaseta“, 11.07.95).

Und vor einigen Jahren sorgte eine  Erklärung des hervorragendsten Theoretikers der modernen Wissenschaft, Stephen William Hawking, in der wissenschaftlich-technischen und politischen Elite der führenden Länder für Erschütterung, dass nämlich der Homo sapiens in den nächsten dreißig Jahren, als die intellektuell beherrschende Art, aus der Zahl der Lebensformen unseres Planeten verschwinden wird. Seine Schlussfolgerungen gründeten sich auf der  Annahme, dass sich die Biosphäre der Erde, einschließlich des Menschen, bereits in einer Periode intensiver Anagenese befindet, das heißt, einer Periode des Erscheinens von Individuen und Populationen mit neuen Merkmalen.

Hawkings Annahme ist durchaus kein Tribut an das öffentliche Interesse für Schauermärchen. Im Verlauf der Evolution entstehen ständig verschiedene Disharmonien und Instabilitäten. Wenn sie nicht kompensiert werden, so stürzen die biosensorischen Systeme unvermeidlich ein und werden zu Bauschutt, aus dem dann die Fundamente neuer antichaotischer Systeme geschaffen werden.

Stephen Hawking hat nach der Analyse der Situation die Schlussfolgerung gezogen, dass eine Fortsetzung unserer Evolution nur dann möglich erscheint, wenn es aufgrund der Errungenschaften der Kybernetik, der Mikroelektronik und der Gentechnik gelingt, ein neues Wesen, den künstlich-unsterblichen Übermenschen zu konstruieren, der alle veralteten Formen des Lebens aus der neuen Subkultur verdrängen wird.

Es wird nicht einfach eine subjektive Zukunftsvision vorgeschlagen - es ist ein alternativloses, mathematisch geprüftes Ideal, in dessen Zentrum die Symbiose des Menschen und des Computers steht, als einheitlicher unsterblicher Organismus - der Herrscher über das Universum. Diese Tatsache gibt der Angelegenheit einen wichtigen sozialpolitischen Status, so dass der Vortrag von Stephen Hawking im Weißen Haus als das grundlegendste Endwicklungsprojekt zur technogenen Zivilisation im 21. Jahrhundert betrachtet wird.

Die Voraussage hat auch deshalb schockiert, weil sie von einem Menschen gemacht wurde, der im gewissen Maße bereits die künftigen Veränderungen verkörperte: Durch Krankheit gelähmt, hat Hawking sich praktisch mittels seines Supercomputers tatsächlich mit dem „denkenden Ozean“, dem Internet vereinigt, wo er seine eigene virtuelle Welt geschaffen hat.

Die Schlussfolgerungen des genialen, mit dem Computer verschmolzenen Gehirns über die Unabwendbarkeit des Erscheinens eines „künstlichen Supermenschen“ waren so überzeugend, dass die USA sofort begonnen haben eine Analyse sozial-ökonomischer Folgen dieses Prozesses durchzuführen und die Ausarbeitung eines neuen Konzeptes der zukünftigen Subkultur in Angriff genommen haben. 

Die Presse „erfreut“ uns schon mit Mitteilungen, dass bald ein Hightech-Helm für den Kontakt mit der virtuellen Welt des Internets auf den Markt kommen wird und ein Spezialkostüm, eine Art Raumanzug, der die Lebenstätigkeit des Organismus gewährleisten kann – es wird den Körper von Schweiß, Exkrementen, Spermien und weiblichen Absonderungen reinigen (kurz gesagt, von allen Abfällen, die das Leben in der „Virtualität“ begleiten werden).

In nicht so fernen Zeiten, so versprechen Computergenies, werden unsere Körper auf riesigen Felsen untergebracht, wo Maschinen ihre Lebenstätigkeit erhalten werden. Die Menschen werden sich in dieser Zeit in einem neuen von ihnen selbst gewählten Körper befinden, um in der virtuellen Welt, wie in der realen Welt zu leben. Dort wird man alles finden können, was man im Leben braucht: Liebe, Mord, Geld, Zigaretten, Whisky… Aber das Wichtigste ist, dass es dort reale Bilder der Städte und der Natur, der Gefühle, Gerüche usw. geben wird. Die virtuelle Welt wird die Materialisten blamieren: Alles wird sehr realistisch erscheinen, aber die Ereignisse werden sich nicht auf der Erdoberfläche abspielen, sondern nur in unserem Bewusstsein.

In der folgenden Etappe werden die Menschen lernen, sich aus phantastischen virtuellen Welten Realitäten zu erschaffen, die aus ihren Lieblingsromanen, Fantasy-, Action-Filmen, Horrorfilmen, Liebesgeschichten usw. entlehnt sind. Man wird sich nicht einfach eine kurze virtuelle Sitzung für eine Stunde oder ein Wochenende auswählen können, sondern eine, die das ganze LEBEN dauert, ein Leben nach eigenem Geschmack.

Und die virtuelle Realität wird helfen, das Problem der Unsterblichkeit zu lösen. Wenn der Mensch alle Möglichkeiten der Verjüngung ausschöpft, die ihm die Medizin der Zukunft gewähren kann, wird er sich einen virtuellen Körper auswählen, sich vom physischen Körper verabschieden und für immer in die neue Welt übergehen. Dort wird er so lange leben, solange der Computer und das Programm existieren, die diese Existenz unterstützen. In gewisser Weise wird die Situation jener ähneln, über die Okkultisten schon immer sprachen: Der Mensch wird nicht sterben, er wird aus einem Zustand in einen anderen transferieren. Aus der groben physischen Welt wird er in die feinstoffliche, unsichtbare Welt übergehen. Er wird es machen, ohne nachzudenken, und den Theoretikern bleibt die Aufgabe, herauszufinden, wie die virtuelle Welt und das Jenseits (astrale Welt) zueinander stehen. Ist es ein und dasselbe oder zwei unterschiedliche Sachen?

Eigentlich besteht die Frage darin, wie die Menschheit sich weiterentwickeln wird.

Der Menschen wird aller Wahrscheinlichkeit nach an den Straßenrand des Weges in die heile Zukunft gedrängt und was geschieht dann...

Im Übrigen ist leicht zu erraten, was dann geschehen wird. Konflikte der Menschen mit Robotern sind in vielen Fantasyromanen beschrieben. Erinnern Sie sich an die Geschichte des Diebes von Bagdad und seiner mehrhändigen mechanischen Puppe für den Sultan. Früher wurde so etwas als Märchen aufgefasst und jetzt teilt die amerikanische Zeitschrift „Future Sex“ mit, dass eine künstliche Frau geschaffen worden sei, mit der man reden und  sexuelle Spiele treiben  kann. Der Sexroboter kann sich alle Vorlieben und Launen seines Besitzers merken. Der Arbeitsspeicher des Hauptprogrammes beträgt 7 bis 10 Megabyte.

Die neuen Sexprogramme werden als ein sehr lukratives Geschäft betrachtet. Die Hersteller wollen die Einwände derer nicht hören, die meinen, dass diese gefährliche Neuheit die traditionellen Beziehungsgrundlagen zwischen Mann und Frau schnell zerstören wird. Einen furchtbareren Schlag gegen die Grundlage der menschlichen Gesellschaft, die Familie, kann man sich doch kaum vorstellen. Denn es wird der Selbstreproduktionsmechanismus des Lebens verletzt, der früher als störungsfrei galt.

Die Sexwelten - eine ausufernde Unterhaltungsindustrie in den reichen Ländern einerseits und der Absturz und die allumfassende Verwilderung in den armen Ländern andererseits, sind vollkommen wahrscheinliche Szenarien der Selbstvernichtung der Menschheit. Beunruhigend wirkt die zunehmende Häufigkeit der Nachrichten darüber, dass Computer immer öfter aus der Kontrolle geraten, sich eine neue, eigene Wirklichkeit schaffen, beginnen sich wie die Kipling-Katze („Die Katze, die für sich blieb“), die alleine spazieren geht, zu benehmen.

Heute dringen aber eben die Rechenmaschinen immer mehr in die Bereiche vor, wo wichtige Entscheidungen gefällt werden. Sogar die Steuerung nuklearer Sprengköpfen wird der Elektronik überlassen.

Wer weiß schon, wie sich die Halb-Mensch-Halb-Computer aufführen werden, die aus denen geschaffen wurden, die eine Aussicht auf Quasi-Unsterblichkeit fasziniert und auf wessen Seite sie in dem neuen historischen Widerstand stehen werden? Dass die Chancen der Menschen auf den Sieg in einer solchen Situation nicht sehr hoch stehen, ist offensichtlich. Aber die Dynamik der selbstständigen Weiterentwicklung treibt uns unerbittlich zur Bildung einer neuen Art, des technogenen Menschen. Die Vordenker in dieser Richtung meinen, dass eine Symbiose der Menschheit und des wissenschaftlich-technischen Fortschritts nur auf diese Weise möglich sei.

Die moderne „Frankenstein-Theorie“, nach Hawking, macht den Menschen eigentlich nur zu einer biologischen Komponente des neuen Computerprogramms der technischen Evolution. Nach Meinung von Andrej Platonow haben wir uns „die ewige Trennung von der glänzenden Kraft des Lebens“ selbst zugefügt. Produktionsstrukturen, wie Atomkraftwerke, Computersysteme, Roboter werden immer stärker komprimiert und durchorganisiert und entwickeln sich zu Superstrukturen, die ein technogenes Kollektivbewusstsein bilden eine eigene Qualität der Selbstentwicklung und Selbsterhaltung. Sie verwandeln sich in ein Superindividuum von planetarem Ausmaß. Der neue technogene, computerbasierte und unsterbliche Superorganismus entwickelt sich genau für diese Aufgabe.

Zurzeit konzentriert sich die westliche Wissenschaft vollständig auf phantastische Ereignisse aus dem eigenen Bereich. Es ist nachvollziehbar, was Hawking bewegt: Er will die „Entropie-Falle“ vermeiden, in der alle Bemühungen der Wissenschaftler im Labyrinth der Kommunikation hoffnungslos untergehen würden. Der Umfang des Wissens ist bereits so groß, dass seine Aneignung viel mehr Zeit erfordert, als dem Menschen zur Verfügung steht. Schon heute werden die Computer der nationalen amerikanischen Raumfahrtagentur NASA mit einer Verspätung von acht Jahren mit Informationen gefüttert. Eine solche Sachlage entzieht den Wissenschaftlern die Initiative, verwandelt den Schöpfer ins passive Objekt des technischen Supersystems.

Aber jede neue Technologie gestaltet nicht nur aktiv unser  Leben um, sondern auch die Weise, wie wir die Welt wahrnehmen.

Computer und Fernseher treten in der Rolle des Organisators eines glücklichen Konsumbewusstseins auf. Der „dumme Kasten für einen Idioten“ (nach einem passenden Ausdrucks eines Dichters) ist durchaus in der Lage, die Hauptkonturen der Realität zu ersetzen. Aber es ist sehr gefährlich, die Menschen auf eine solche Konsumentenweltanschauung vorzubereiten. Uns steht ein schwerer Existenzkampf bevor, in dessen Verlauf die Probleme gelöst werden, die mit den Veränderungen in der organischen Welt des Planeten zusammenhängen. Wir sollten uns den Sinn des Lebens und die innere Ausgeglichenheit zurückholen. Das Gehirn des Menschen hat unbeschränkte Möglichkeiten der Selbstentwicklung. Und es ist besser, die Bemühungen der Gesellschaft vorzugsweise in genau diese Richtung zu lenken.

* * *

 

Inzwischen hat der Kremlvulkan die nächste Portion Asche in den einheimischen Himmel hinausgeschleudert.

In meinem Berufszweig gab es wieder eine Revolution. Am 6. Juli 1999 ist die Verordnung des Präsidenten „über die Vervollkommnung der staatlichen Steuerung  auf dem Gebiet der Massenmedien und der Massenkommunikation“ erschienen; infolgedessen wurde der Verlag Goskompetschat (Staatliche Druckerei) abgeschafft. An seine Stelle trat das Ministerium der Russischen Föderation für Presse, Telerundfunk und Mittel der Massenkommunikation. Zum Minister wurde M. Lessin ernannt.

Alle drei Jahre wird diese Behörde mit einer manischen Hartnäckigkeit seitens des Staates umgestaltet: Mal wird aus „Komitee“ „Ministerium“ (zugunsten der Vereinigung mit dem Fernsehen), dann wieder das Gegenteil, und die Druckerzeugnisse werden wieder vom Fernsehen getrennt. Der erste Eindruck - derselbe Rechen, auf den man schon mehrmals getreten ist.

Dann kommen die Zweifel: Wer ist darauf getreten? All diese Umgestaltungen betreffen hauptsächlich die Unternehmen dieses Wirtschaftszweiges. Denen, die sie beschließen, ist es in der Regel egal. Es erweist sich einfach als nützlich, für die Mannschaft, die ans Ruder kommt, hilft ihnen irgendwelche persönlichen Probleme zu lösen, wonach sie wieder spurlos im Nichts verschwinden.

Ich muss zugeben, dass die letzte Verwaltung des Goskompetschat, angeführt von Iwan Laptew, eine der Besten war. Vielleicht wurden deshalb fast alle Finanzierungsquellen eingefroren. Das Finanzendefizit wurde allerdings durch herzliche, freundschaftliche Beziehungen zu den Leitern der Unternehmen ausgeglichen, es wurde Verständnis für die schweren Arbeitsbedingungen gezeigt, die oftmals absichtlich vom Staat geschaffen wurden. Und es kostete auch nicht viel - nur Anteilnahme, Rat, Unterstützung.

Sofort nach Inkrafttreten der Verordnung bin ich zum stellvertretenden Vorsitzenden der Goskompetschat, Wladimir Scharkow gegangen, um die letzten Neuigkeiten in Erfahrung zu bringen, die diese neue Umgestaltung betrafen. Ich habe ihn beim Packen angetroffen. Auf seinem Tisch türmten sich Büchern und Anderes. Überall standen Umzugskartons herum.

„Was  ist geschehen?“

Wladimir Scharkow lächelte verlegen.

„Das war´s, Arcady. Ich habe so viele Jahre in diesem Amt gearbeitet und habe nicht einmal ein „Danke“ bekommen. Meinem Sekretär wurde bereits heute Vormittag mitgeteilt, dass ich das Kabinett gegen Mittag geräumt haben sollte. Jetzt wirst du einen neuen Kurator bekommen Grigorjew. Der von „Wagrius“, der es auf den Direktorposten beim „Chudlit“ abgesehen hat. Du hattest ihn damals bei der Ausschreibung überholt. Verstehst du…

„Haben die sich denn noch nicht einmal mit ihnen getroffen, um alles zu besprechen? Sie sind doch der stellvertretende Minister!“

„Wer sind „die“? Wenn unser Staat mit den Hinterfüßen schlägt, so denkt er an die glänzende Zukunft und nicht ans Opfer.“, sagt Wladimir Scharkow ratlos. „Das ist doch die neue Pepsi-Generation. Sie haben keine Zeit zu reden. Sie haben die Wahl Jelzins gewährleistet und haben jetzt das Recht auf die Beraubung des in Ungnade gefallenen Bojaren… Sie sind in Eile, es gibt ja so viel, was man sich noch aneignen möchte. Es müssen Pläne ausgearbeitet werden, wie der föderale Buchdruck-Verlag am besten privatisiert werden könnte. Der juristische Hintergrund muss vorbereitet, die Mannschaft aufgestellt werden. Das Finanzministerium wird ihnen nichts abschlagen können. Man gehört ja schließlich zur Familie.“

„Und Iwan Dmitriewitsch?“

„Dasselbe. Er soll seinen Platz so schnell wie möglich räumen.

„Telefonisch?“

„Selbstverständlich. Die Burschen haben keinerlei Komplexe. Nur gut, dass er keinen Tritt in den Allerwertesten bekommen hat.“

Einige Wochen später bekam ich die Benachrichtigung aus dem Ministerium von der Kündigung meines Vertrages. Es wurde darauf verwiesen, dass die Kündigung „der Sicherstellung des normalen Organisationsablaufes“ diene. Mit diesem Brief wurde mir vorgeschlagen, die Pflichten des Direktors noch vorübergehend weiter zu erfüllen. Nach Monaten der „vorübergehenden Erfüllung“ war immer noch nichts passiert. Ich wurde nicht angerufen, nirgendwohin zitiert, niemand hat sich für mich interessiert.

Parallel zu diesen realen Ereignissen entwickelten sich andere, die man als virtuell bezeichnen könnte. Sie geschahen plötzlich und vermittelten ein so starkes Gefühl der Realität, als würde mir jemand gerade durch mein Bewusstsein heimlich etwas außerordentlich Wichtiges mitteilen wollen. Und es wurde mir immer bewusster, dass diese Visionen nicht zufällig geschahen, sondern dass sie wirklich auf eine unbegreifliche Weise zu meinem Schicksal, meinem Leben gehörten.

Es schien, dass mein Gehirn die neuen Kraftlinien der Raum- und Zeitkoordinaten resorbierte, sie entzifferte und sich dazu in seltsamen Bildern einer neu geschaffenen Welt äußerte. Man musste Mut fassen, um zu erkennen: Was für eine Welt das ist und zu welcher Zeit?

Trotz alledem arbeite ich sehr viel. Ich habe eine Idee, wie man mit Hilfe des Bildschirmes des inneren Sehens und der steuerbaren Hellsichtigkeit auf die energie-informative Matrix (den individuellen Plan, nach dem der Mensch geschaffen wurde) einwirken kann und so beliebige Krankheiten heilen könnte. Aber das ist nur der Anfang - es zeichnet sich bereits die Möglichkeit ab, Zellengewebe zu erneuern und sogar entfernte oder beschädigte Organe zu regenerieren. Es stellte sich heraus, mittels des Bildschirms des inneren Sehens, dass jedes Organ über besondere Zellen verfügt, die sogenannten „Führer“-Zellen. In ihnen sind Informationen zum ganzen Organ gespeichert, darüber, wo und wie jede Zelle angesiedelt sein soll, unabhängig davon, zu welchem allgemeinen System sie gehört. Diese besonderen Zellen wissen alles über die Funktion und Bestimmung der übrigen Schwester-Zellen. Und falls sie den Impuls zur Realisierung der Reservefunktionen bekommen, so treten sie ihre Arbeit an. Äußerlich ähnelt das der Teilung von Krebszellen, ich meine, im Hinblick auf die Geschwindigkeit; die Wiederaufbauprozesse verwirklichen nicht kranke, sondern gesunde Zellen. Ein wesentlicher Unterschied, nicht wahr?

Es ist bekannt, dass bei einigen Menschen, die hundert und älter werden, wieder Zähne wachsen. Auf dem Bildschirm des inneren Sehens ist es leicht zu verfolgen, wie in diesem Fall im Knochen die Zellen aufwachen, deren Kern die Informationen über die bevorstehende Rekonstruktion des Kausystems enthält. Die Zellen beginnen sich zu teilen und bilden wieder neue Schichten des Zahnschmelzes, des Dentins, der Pulpa und Zahnrinde, direkt vom Zahnhals an.

Natürlich ist das ein sehr ungefähres Schema. Ihre praktische Realisierung erfordert nicht nur die sichere Beherrschung der Technik der feinstofflichen Prozesse, sondern auch das Wichtigste – ein gutes Instrument. Und das Instrument ist in diesem Fall der Mensch, der in Jahren schwieriger Bewusstseinsarbeit nun im Stande ist seinem Bewusstsein den Zutritt zum Bewusstsein eines anderen Menschen zu gewähren, um damit zu arbeiten. Es ist eine große Verantwortung und jener, der sie übernimmt, muss seine oberflächlichen Wünsche bändigen, er ist verpflichtet, ständig nach Selbstvervollkommnung zu streben, in sich die Bereitschaft zur Selbstaufopferung für andere Menschen zu entwickeln. Erinnern sie sich, Jesus Christus half anderen Menschen, sich von ihren Leiden zu befreien und verwendete sehr vorsichtig das Wort „Wunder“. Er vollbrachte keine Wunder, sondern half Menschen. Weil ihn das Wort „Wunder“ sofort auf einen Sockel gestellt hätte. Und Gott auf einem Sockel ist schon ein Problem, ein großes Problem der Welt. Wozu etwas anstreben, etwas erreichen wollen? Gott wird schon sagen, was man tun muss. Wir werden uns um Ihn herum setzen, wir werden warten, was Er befiehlt.

Es scheint, dass die Hellsichtigkeit ein universeller Weg ist, einen uneingeschränkten Zugriff auf Informationen zu erhalten. Natürlich ist er fest mit dem Prozess der Selbstentwicklung verbunden. Wie oft habe ich schon das Regenerationsschema meiner Gallenblase erstellt. Sie wurde vor 10 Jahren wegen eines Gallensteinleidens entfernt. Zuerst fand die Arbeit auf der informativen Ebene statt. Ich brauchte Monate, bevor ich gelernt hatte, das informative Skelett des fehlenden Organs aufzubauen. Zwei Monate später gelang es mir, in diesem Skelett eine energetische Struktur zu starten. Voller Erstaunen kamen viele Hellseher zu mir: „Wie haben sie das gemacht?“ Das Organ selbst gab es noch nicht, aber gleichzeitig war es da und erfüllte bereits zwei seiner drei Hauptfunktionen.

Aber den Prozess der Zellteilung zu starten, den ich theoretisch beherrschte, gelang mir in der Praxis einfach nicht. Es fehlte immer etwas. Jenes, was fehlte, zeigte sich immer mehr, jedoch in strenger Übereinstimmung mit dem verborgenen Prozess der inneren Evolution. Als ob mich jemand necken wollte: Was du willst, ist schon nahe, arbeite aber noch ein bisschen an dir. Ich arbeitete. Und im Laufe der Arbeit bekam ich nicht nur Angenehmes zu sehen.

Ich wollte keine unheilverkündenden Voraussagen machen. Aber es ist wohl auch falsch, über solche offensichtlichen und bedrohlich nahen Probleme der Menschheit zu schweigen. Die Welt erwartet entweder einen Kollaps der gesamten Weltwirtschaft als Folge ökologischer Katastrophen oder eine Richtungsänderung der Entwicklung.

Zeitschriften schreiben darüber bereits. Hier ein Beispiel einer solchen Verallgemeinerung, die sich in Moskau als eine Art selbstveröffentlichtes Manuskript verbreitet hat:

„Das homöostatische Gleichgewicht ist gestört - das ist offensichtlich. Aber solange wir Debatten über ökologische Probleme führen, so lange werden wir die größte Gefahr nicht erkennen, die auf uns zukommt, nämlich die Unfähigkeit, mit der Energie und den Informationen zu arbeiten.

Die Menschheit hat einen ganz neuen Lebensraum geschaffen und nur wenige verstehen, in welcher Situation wir uns jetzt befinden. Wir verfügen über keinen Schutzmechanismus in Bezug auf den neuen superdynamischen Lebensraum und erweisen uns als Geiseln unserer eigenen Schöpfung.

Der Prozess wird wegen des Anstiegs neuer Probleme im Menschen erschwert: der Unfähigkeit zur Informationswahrnehmung notwendiger Qualität und Umfanges sowie der Entwicklung einer Technik mit einer hohen Organisationsebene, deren Zugang der Mehrheit der Bevölkerung Schwierigkeiten bereitet. Es wächst die Unvereinbarkeit der Menschheit und des wissenschaftlich-technischen Fortschritts. Es führt zur Anbahnung globaler Krisen, zu einer Gesellschaft des 21. Jahrhunderts von geistig Kranken, die kaum in der Lage sein werden, die Evolution des Menschen, als selbständige Art, fortzusetzten.“

Das Problem ist durchaus nicht erdacht. Ausnahmslos allen physischen Erscheinungen und Prozessen liegen allgegenwärtige informative Felder zugrunde. Und die Alternative zur technogenen Unsterblichkeit, die von Steven Hawking vorgeschlagen wurde, ist ganz klar die Unsterblichkeit, die mit der Fähigkeit des Menschen verbunden ist, seine biochemischen Prozesse mit Hilfe des Bewusstseins so zu steuern, dass ein Körper einer höheren Entwicklungsebene erschaffen wird.

 

* * *

 

Ich habe einen neuen Schüler - Igor Arepjew. Er ist irgendwie zufällig, auf eine seltsame, unbegreifliche Weise gekommen. Jedenfalls kann er es sich selbst nicht erklären. Was hat ihn, einen Bewohner der provinziellen Kreisstadt Trosna im Gebiet Orjol, plötzlich dazu bewogen, sein Haus, seine Arbeit in der Bezirksabteilung für innere Angelegenheiten aufzugeben? Denn er sollte buchstäblich zwei Wochen später das Amt des stellvertretenden Abteilungsleiters einnehmen und sein nächstes Offizierssternchen bekommen. Doch er entschloss sich plötzlich, sein Glück in Moskau zu suchen.

 

Einen formalen Anlass gab es aber doch. Ohne geht’s bekanntlich nicht, oder? Igors Vater (ich kannte ihn seit langem) half mir die elektrische Installation in meinem neuen Haus, was ich gerade baute, vorzunehmen. Er kam von Zeit zu Zeit vorbei und brachte, was er konnte, auf meiner langjährigen Baustelle, die sich wegen Mangels an Mitteln schon fast über zehn Jahre erstreckte, in Ordnung. Dieses Mal hat Igor entschieden, sich dem Vater anzuschließen. Sein Entschluss war weder logisch noch vernünftig: so einfach, die Arbeit hinzuwerfen und zum Geldverdienen nach Moskau zu fahren, zu einem Fremden, den man noch nie zuvor gesehen hat. Aber hier ist er. Hat gesagt, dass er seinem Vater helfen wolle. Und ging auch sofort an die Arbeit. Mit einer großen Hingabe, ohne Raucherpausen und müßige Gespräche. Also er hat einen guten Eindruck auf mich hinterlassen. Und ich weiß selbst nicht warum ich ihm eines Tages gesagt habe: „Es gibt da so eine Methodik: Wir öffnen uns den Zugang zur Hellsichtigkeit. Es ist die Tür in eine andere Welt, die wir in der Regel nicht sehen, aber diese Welt hat einen sehr starken Einfluss auf unsere Welt, was hier geschieht. Willst du diese Tür öffnen?“

Igor stimmte zu und wir fingen an zu arbeiten. Ich zeigte ihm zuerst eine Übung, dann eine zweite, eine dritte. Und er ging mit Ernsthaftigkeit an die Sache. An den Abenden, in seiner Freizeit, wiederholt und lernt er. Und es waren keine drei Wochen vergangen, als er plötzlich sagt:

„Arcady Petrov, bei ihnen hat sich eine Bandscheibe verschoben. Lassen sie mich das korrigieren.“

„Woher weißt du das?“

„Ich sehe es.“

„Hat sich bei dir der Bildschirm geöffnet?“

„Ja, schon vor einer Woche“, antwortet Igor, „ich habe mich ihm einfach angepasst. Jetzt sehe ich ihre Aura, ihre Organe und ihre Zellen. Lassen sie mich ihre Wirbelsäule richten und die Energie wiederherstellen.“

So hat es bei uns angefangen: Ich unterrichte ihn und er trainiert seine Kenntnisse an mir, mit einem Nutzen für meine Gesundheit. Und es ist rechtzeitig geschehen, fristgerecht, da die Umstände auf der Arbeit sich schon zu einem reinen Nervenkrieg entwickelt hatten.

Die neue Führung des Ministeriums hat sich erinnert, dass es höchste Zeit ist, sich mit etwas Großartigem, Historischem zu beschäftigen. Verschiedene Gedanken fingen an auf den stellvertretenden Minister Grigorjew einzuströmen: Wie könnte man den föderalen Geldfluss so steuern, dass das Geld rechtzeitig und auf einer von Grigorjew im Voraus selbst bestimmten Stelle ankommt? Wie könnte eine strukturelle Umgestaltung des Zweiges durchführt werden, damit an der Spitze ruhmreicher Verlage nur ihm persönlich nützliche Menschen stehen und andere ganz vom literarischen Olymp verschwinden? Und diese Gedanken waren durchaus logisch. Denn Grigorjew war immer noch Regent des Verlages „Wagrius“, auf dessen Emblem, dem Herrn geistig nahe, ein Esel prangte. Und seinen Esel soll man bekanntlich füttern. Und es würde außerdem nicht stören, jeden Konkurrenten im Voraus vom Markt zu entfernen. Vor einiger Zeit wurde eine föderale Kommission gegründet, die bestimmt, welche Buchverlagsprojekte finanziell unterstützt werden sollten. Dreimal wurde uns munter mitgeteilt, dass die Kommission die Finanzierung unserer Projekte bewilligt hat und dass unsere Projekte unter den Besten seien, wir wurden sehr gelobt. Aber? Dreimal hat der stellvertretende Minister Grigorjew eigenhändig „Chudlit“ aus der Liste gestrichen. Und das ein Jahr vor dem Jubiläum des Verlages, so zu sagen zu Ehren des 70jährigen Bestehens. 

Oder ist es eine Neuerung, die vorigen Verträge aller Direktoren der staatlichen Verlage zu annullieren und ein ganzes Jahr lang keine neuen abzuschließen? Sie waren einfach neugierig, ob das die Arbeitsproduktivität in den von ihnen geleiteten Verlagen positiv oder negativ beeinflussen würde. Einfach ein Experiment…

Und für die Dümmsten, die dem Gedankengang des neuen Verlagsmoguls auf keinen Fall folgen können, werden im Ministerium jede Woche neue Dekrete und Verordnungen erlassen. Und diese Dokumente wurden nicht einfach so zugestellt, sondern per Kurier, mit dem strengen Hinweis, dass die Antwort morgen zu erfolgen hat. Nach der Analyse ihrer Psychologen wird für einhundertzwanzig Dollar monatliches Gehalt kaum jemand einem solchen moralischen Druck standhalten können. Der ehrenwerte Direktor des größten Verlagshauses, übrigens ein korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, konnte die Zustände nicht länger ertragen und ist zu Grigorjew gegangen, um mit ihm darüber zu sprechen. Unser Esel-Liebhaber hat den verdienten Kulturschaffenden des Landes vier Stunden lang in seinem Vorzimmer warten lassen. Und hat ihm dann später einen fünfzehnminütigen Vortrag gehalten, wie man einen Verlag zu leiten hat. Der Vorlesung folgte ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass nämlich eine solche Offenbarung großes Geld kostet.

Das korrespondierende Mitglied hat aus lauter Verlegenheit angefangen zu stottern. Die Erkenntnis darüber, welcher „Riese des Gedankens“ gekommen war, um die Verlage Russlands zu steuern, trieb ihm die Blässe ins Gesicht und er fragte leise:

„Geld, versteht sich, wollen sie es im Voraus?“

So sind die Heilfähigkeiten meines neuen Schülers rechtzeitig gekommen. Und wenn die ministerielle Zumutung im Laufe eines Tages meinem Nervenkostüm zugesetzt hatte, stellte Igor Arepjew es am Abend wieder her. Wobei es ihm von Tag zu Tag immer besser gelang. Man konnte buchstäblich dabei zusehen, wie er in nur einigen Wochen seine Ausbildung absolvierte, wofür andere Jahre brauchen, und zu einem herausragenden Medium wurde.

 

Kaum hatten wir angefangen zusammen zu arbeiten, als auch schon die ersten Wunder geschahen. Wir saßen in meinem Haus im Kabinett im zweiten Stockwerk. Es ist der angenehmste Platz für diese Beschäftigung: Über uns ist eine Kuppel, deren Geometrie einen steigenden energetischen Strom bildet, wie in der Kirche. Diesmal wollte ich mit Igor das Programm der Farbvisualisierung von Formen durchnehmen. Im Übrigen ist es keine komplizierte Aufgabe: Wir schalten den Bildschirm des inneren Sehens an und auf mein Zeichen stellen wir uns verschiedene Bilder vor. Wir erhalten so etwas wie ein Kino. Man kann in einem Raumschiff in den Kosmos fliegen, man kann auf den Mount Everest steigen. Aber diesmal kam ein Anderer, um uns zu leiten. Wir haben die Bildschirme eingeschaltet und sind kaum dazu gekommen, ein Wort zu sagen, als sich plötzlich alles verwandelte. Ich sehe Igor an und traue meinen Augen nicht: Er trägt ein Kettenhemd und einen Helm. Auf dem Rücken ein roter Umhang, im Gürtel ein Schwert, in der Hand ein Speer. Und das Gewand war nicht wie bei einem gewöhnlichen Ritter. Ein Rubin auf dem Helm - was allein der schon kostet. Ein wahrer Fürst.

Igor starrt mich an. Man kann ihm seine starke Verlegenheit ansehen.

„Was ist geschehen?“, frage ich besorgt, dabei habe ich schon erraten, dass auch meine äußere Gestalt Veränderungen erfahren hat. Igor antwortet nicht, sondern stellt eine Gegenfrage.

„Hast du das gemacht?“

„Was?“

„Also das - mit mir und mit dir?“

„Nein“, gestehe ich ehrlich ein, obwohl es für eine Minute schmeichelhaft gewesen wäre, sich als Zauberer zu fühlen.“

„Weißt du, wer du jetzt bist?“ Mit offenbarer Aufregung in der Stimme verschärft mein Freund die emotionale Komponente der Situation.

„Auch ein Kämpfer?“, versuche ich zu erraten.

„Nein“, verneint Igor und ist mit der Notwendigkeit konfrontiert, mir die tatsächliche Sachlage vor Augen zu führen. „Du bist jetzt ein Pferd mit Flügeln.“

„Pegasus etwa?“, rate ich.

„Kann sein“, stimmt mit einigem Anteil Zweifel der neue Fürst Igor zu. „Es ist weiß, mit großen Flügeln. Auf der Stirn hast du einen kostbaren Stein. Aus ihm heraus glänzen Strahlen. Fühlst du etwa nicht, dass du ein Pferd geworden bist?“

Ich drehe mich um mich herum, versuche das Äußere meiner neuen feinstofflichen Konstruktion zu betrachten. Der erste Gedanke, als ich die Hufe, den Schweif und die Flügel sehe, ist bitter: „Warum?“

Ich war ein Mensch. Habe niemandem etwas Schlechtes getan. Arbeitete bis zum Umfallen. Was ist geschehen? Igor ist ein Fürst und ich ein Pegasus? Ein Mittel für die Fortbewegung, ein Hilfstransportmittel aus Fleisch und Blut? Nur eine Freude: Es gibt einen Rubin in der Stirn. So etwas passiert nicht einfach so. Vielleicht verstehe ich etwas nicht und bin voreilig in meinen Schlussfolgerungen?

Plötzlich fällt ein Strahl vom Himmel und eine mächtige, befehlende Stimme ertönt:

„Folgt dem Strahl.“

Igor sieht mich an. Ich verstehe seine stumme Frage. Ich stimme zu:

„Setze dich, wenn man schon so entschieden hat.“

Igor versucht auf meinen Rücken zu kommen. Und hat es nach einigen Schwierigkeiten geschafft. Er kommt vielleicht aus der Provinz, ist früher aber scheinbar weder auf den Orlower Trabern, noch auf einem gewöhnlichen Dorf-Gaul geritten. Deshalb bemühe ich mich, mich vorsichtig zu bewegen, damit er nicht aus Versehen stürzt. Ich fliege hinter dem Strahl nach oben. Die Flügel habe ich aufgeschwungen, mit den Hufen stoße ich mich ein wenig von den Wolken ab und wie ein Vogel fliege ich, immer höher und höher. Wobei ich bemerke, dass ich schneller als ein Flugzeug fliege. Mit einer sehr hohen Geschwindigkeit. Ein Sprung und Häuser unter mir sind wie kleine Steine, noch einer - und sie sind ganz verschwunden. Nur Felder und Wälder kann man aus dieser Höhe erkennen.

 

Wir sind hinter dem Strahl viel höher hinaufgestiegen, als Flugzeuge fliegen können. Er hat uns zu einem seltsamen Bogen gebracht. Ein Eingang dorthin, wo wir nie zuvor waren. Wir fühlen, dass wir hineingehen sollten. Seltsamerweise, natürlich in Raum, und darin ist der Bogen kaum sichtbar. Wir sind jedoch hineingegangen.

Der Ort, an dem wir uns wiedergefunden haben, ähnelte einem senkrechten Tunnel oder einem Schacht. Von innen ist er silbern. Im Zentrum gibt es einen Strahl, der uns wie der Ariadnefaden führt. Ich reite ihm nach oben hinterher. Seitlich gibt es irgendwelche Ebenen, so etwas wie Stockwerke. Den Eingang zu ihnen verschließt ein Tor. Rechts und links sind Tore. Ich zähle die Ebenen: eins, zwei, fünf, neun. Wie aus einem Märchen, also lügen Märchen nicht. Rechts, links und in der Mitte sind drei Räume. Wir multiplizieren es mit neun Ebenen - was erhalten wir? Rechts sitzt ein junger Mann im weißen Leinenhemd, sieht uns freundlich an und lässt weiße Tauben los. Die Tauben fliegen nach oben, dem Strahl hinterher. Und unter ihnen ist plötzlich aus dem Nichts heraus eine Armee erschienen. In Reih und Glied, Kavallerie und Infanterie. Und die Armee wird von einem Reiter angeführt, der auf einem geflügelten Pferd sitzt. Wir haben uns das Ganze genauer angeschaut und begriffen - das sind doch wir, die das himmlische Heer anführen. Warum, wofür solch eine Ehre? Ich habe sofort alle Fragen, anlässlich meiner vierfüßigen Lage, vergessen. Ein Gefühl des Stolzes, des Auserwähltseins hat angefangen mich einzunehmen.

Im Kopf ertönte jemandes Stimme wie ein Dämpfer der neuen herzlichen Aufregungen: „Man kann Stolz empfinden, aber  man darf sich nicht brüsten.“

Die Armee ist an uns vorübergegangen und verschwand. Und der junge Mann mit den Tauben ist auch verschwunden. Wohin jetzt? Und Igor stöhnt:

„Die Energien wiegen schwer auf mir, lass uns umkehren.“

Seltsamerweise fühle ich mich auf diesen Ebenen gut, als ob ich hier früher schon einmal gewesen wäre. Mir kommt hier alles sehr bekannt vor. Aber wenn es Igor schlecht geht, sollte wir lieber zurückkehren. Wir sinken. Wir gehen aus dem Bogen hinaus. Ich sehe mich um. Neben dem Eingang brennen in rotem Neonlicht Familiennamen irgendwelcher Menschen. Wahrscheinlich derer, die vor uns hier gewesen sind. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen. Habe aus dem Rubin auf meiner Stirn einen roten Strahl ausgesandt und mit Buchstaben, kilometerweiter Größe, meinen Vor- und Nachnamen eingraviert. Die Schrift ist im Himmel unbeweglich erstarrt.

„Was denkst du, wird es in Tibet zu sehen sein?“, frage ich Igor.

Er äußert sich mit kaum hörbarer Stimme:

„Ja, wird es. Flieg mich schnell nach Hause. Mir geht’s nicht gut.“

 

* * *

 

Unerwartet kam die Einladung von Lapschin: sich zu treffen und zu versöhnen. Es gab einen Anlass für das Treffen: In Moskau, unweit von der Metrostation Malenkowskaja, wurde der globale Klub Lapschins eröffnet. Die Einladung hat, wie üblicherweise in solchen Fällen, Professor Bereschnoj überbracht. Die verhärteten Fronten zweier Hauptgründer der Akademie schienen ihm aufs Gemüt zu schlagen und so hat er mit Enthusiasmus die Rolle des Friedensstifters übernommen. Er wollte mir in einem langen, methodischen und durchaus verständlichen Vortrag beweisen, dass wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin, ich es innerhalb der Akademie klären könnte und nicht ganz Moskau unsere gegenseitige Missgunst demonstrieren sollte.

 

„Schließlich ist das ganze Präsidium der Akademie auf deiner Seite“, versuchte er mich zu überzeugen. „Lass uns doch zusammenkommen, seinen Bericht anhören, ihm unsere Ansprüche anmelden, ihn in seiner Entscheidungsfreiheit einschränken. Er wird sich unterwerfen müssen.“

„Aber du weißt doch, welchen Unsinn er in Hinblick auf seine Mission, die Erde zu steuern, erzählt“, habe ich ihm widersprochen. „Es ist eine ausgemachte Sauerei.“

„Also, wieder die gleiche Leier, über das Gute und das Übel, über die Finsternis und das Licht“, sagt mir Anatolij verärgert. „Verstehe doch, wenn der Schöpfer sowohl das Eine als auch das Andere geschaffen hat, so bedeutet das, dass er seine unbekannten Gründe hatte. Man darf es nicht so emotional nehmen. Es ist doch eine Konstruktion des universellen Mechanismus. Ein Pluspol kann ohne Minuspol keinen Strom erzeugen. Denn das Feuer wird vom Zusammenstoß der Gegenteile erzeugt.“

„Ich verstehe“, muss ich zustimmen, in mir das tiefe Gefühl der Missgunst gegenüber Wjatscheslaw überwindend. Aber einen Augenblick später bringe ich wieder neue Argumente gegen ihn an: „Gerade weil das Böse nicht die Oberhand gewonnen hat, kann man sagen, benimmt es sich adäquat, passt seine Absichten an die Stärke des Widerstandes an. Und wenn es keine Widerstände geben wird, wird das Böse seine Anpassung schnell über Bord werfen.“

„Dann bau einen Widerstand auf, wer verbietet es dir?“, lächelte Bereschnoj wie eine alte weise Schlange.

„Das mache ich. Habe mein eigenes Zentrum geschaffen. Wir öffnen das innere Sehen und machen dadurch die Menschen mächtig genug, um den Machenschaften des Übels entgegenzutreten. Wenn sie zu einem System angeschlossen werden, so kann ihnen niemand Schaden zufügen. Außerdem werden sie selbst zu einer vollkommen reale Kraft, um jedem Übel aktiv zu begegnen.“

„Vielleicht sollten wir versuchen, es innerhalb der Akademie zu machen?“, bietet Bereschnoj an. „So zu sagen auf der ersten Verteidigungsfront. Vielleicht ist Lapschin gar nicht so ein übler Mensch, wie es dir scheint. Er ruft dich doch zu einem Treffen. Das bedeutet, dass ihm der Streit keine Ruhe lässt. Vielleicht findet in seinem Inneren auch ein kleiner Krieg statt und das Gute siegt? Hast du daran nicht gedacht?“

Wie kann man da noch widersprechen? Theoretisch ist so etwas möglich. Ob sich das im Leben ergeben wird, weiß nur Gott.

Der globale Klub Lapschins hat sich in zwei kleinen Zimmern eines werkseigenen Kulturhauses eingerichtet. Für die feierliche Eröffnungsveranstaltung wurden der Saal und das Foyer zur Verfügung gestellt.

Faxe, die in hunderte von Organisationen ausgesandt wurden, versprachen eine Demonstration der Phänomene, eine Vorführung des virtuellen Zirkus, versprachen auch das Geheimnis des Sehens mittels des Biocomputers (sie setzten es nach dem Beharren Lapschins hartnäckig fort, die Hellsichtigkeit so zu nennen) durch eine Reihe angesehener Gelehrter näher zu erläutern. Am Ende ein großer Andrang von Menschen. Die Presse und das Fernsehen gaben dem Ereignis den Glanz, der einer angestrebten planetarischen Solidität gebührt.

Im Saal hat uns ein Weggefährte Lapschins empfangen, der 16jährige Junge Kirill. Ein seltsamer Junge. Wir haben uns früher schon mal getroffen und wenn er anfing zu sprechen, so blieb nichts anderes übrig, als zuzuhören. Nicht, weil man ihn nicht unterbrechen konnte. Einfach deshalb, weil er Dinge sagte, die in keinem Buch geschrieben stehen. Sein Wissen und die Redekunst übertrafen offenbar die Möglichkeiten des Präsidenten der Akademie, aber er bevorzugte es, sich im Hintergrund zu halten und war auch nicht auf irgendwelche administrativen Ämter aus. Und das ganz und gar nicht wegen seines Alters. Schließlich wusste und verstand er wirklich mehr als jedes Mitglied der Akademie. Er wollte es einfach so. Und wenn er etwas wollte, so ergab sich das auch.

Als er uns sah, entstand ein großes Lächeln auf seinem Gesicht.

„Für sie hat Wjatscheslaw Lapschin Plätze in der Mitte der ersten Reihe freigehalten. Ehrenplätze“, hat er bedeutsam betont. „Gehen wir, ich werde sie hinführen.“

 

Die Bühne schmückte ein riesiges Transparent „Der globale Klub Lapschins“. Der globale Lapschin saß darunter, umgeben von neuen Aktivisten und Verehrern. Sein Gesicht trug einen sehr strengen und bedeutsamen Ausdruck. Er hat starr die Stuhlreihen des Saales betrachtet, sah uns mit Anatolij und hat kaum merklich mit dem Kopf genickt. Er billigte also sozusagen meine Anwesenheit. Und sein zäher Blick galt wieder den Gesichtern der Menschen, die den Saal ausfüllten.

Es traten Vertreter verschiedener akademischer Filialen, Wissenschaftler, Pädagogen auf. Alle sprachen von der Genialität Lapschins, darüber, welchen großen Beitrag seine Methodik für die Entwicklung des Menschen des neuen Jahrtausends leistete.

Und später, nach allen Reden über das weltweite Ereignis, das bald, auf jeden Fall, den Lauf der weltweiten Geschichte beeinflussen wird, wurde Anatolij und ich in ein Zimmer hinter der Bühne geladen, wo uns auch bald der Präsident der Akademie in Umgebung seiner Kampfgenossen Gesellschaft leistete.

Er war in bester Laune und scheinbar darauf eingestimmt, den verlorenen Sohn, das heißt mich, öffentlich in die Umarmungen der neuen glücklichen Ordnung der Dinge, die er auf diesem Planeten verkörperte, zu schließen.

„Also, lass uns einander die Hände reichen“, bot Lapschin an. Es in diesem Moment abzulehnen, erschien irgendwie unpassend. Das Programm für Kinder von sieben bis siebzig Jahren hat sogar auf mich eine Wirkung gezeigt. Kann es vielleicht wahr sein, dass die napoleonischen Ambitionen Lapschins ein nicht zu hoher Preis dafür sind, dass diese talentierten Kinder so glücklich sein können?

 

* * *

 

Kurz vor dem Jahr 2000 ist Boris Orlow zu mir nach Hause gekommen. Wie immer spät. Sein Gesicht dunkel, entkräftet. Es war ihm anzusehen, dass er wohl keine zwei, drei Tage am Stück durchgeschlafen hat. Seine Augen waren tief eingefallen, man konnte die Trauer und die Hoffnungslosigkeit, die sich in ihnen zeigte, nicht übersehen. Ich habe sofort verstanden: etwas Schlimmes musste geschehen sein.

Wir sind ins Haus gegangen. Boris war nicht alleine, mit ihm war sein Freund Edik Grischenko. In letzter Zeit arbeiteten sie zusammen und kamen häufig zu zweit bei mir vorbei, um über, für sie neue, esoterische Materien zu reden. Dieses Thema beschäftigte besonders Edik. Er war Sportler, ein Karate-Kämpfer, und geheimes Wissen war seiner Bestimmung nach das Objekt seiner Aufmerksamkeit. Besonders das astrale Karate. Er war bereit stundenlang über dieses Thema zu reden, nicht bemerkend, dass die Zeiger auf der Uhr schon weit nach Mitternacht zeigten. Im Übrigen bemerkte auch ich nicht immer wie die Zeit verging: Beide waren sehr interessante Gesprächspartner. Sie wissen viel, verstehen viel, sind ständig im Bilde über alle Neuheiten. Im Allgemeinen war ein Gespräch mit ihnen – immer ein Vergnügen.

Aber dieses Mal hat sie nicht der freundschaftliche Wunsch zu diskutieren, zu mir gebracht, sondern ein ernsthaftes Problem. Und es schien, dass sie schon wussten, wie sie die Sache am besten darlegen sollten.

Wir sind in die Küche gegangen. Ein gewöhnliches Ambiente: Tee und eine Schale mit Keksen. Diesen unermüdlichen Arbeitsmenschen ersetzt der Jeep, mit allen Bequemlichkeiten, das Haus, und sie haben wahrscheinlich nicht mal eine Pause gemacht um eine Kleinigkeit zu essen.

„Arcady“,  hat Boris mit einem seltsamen, strengen, fast offiziellen Ton begonnen zu sprechen. „Ein Freund von Edik und mir, den wir noch aus Taschkent kennen, ein Mitglied unserer Mannschaft, im Grunde genommen unser Bruder, hatte einen Autounfall. Er wurde beim Zusammenstoß der Wagen förmlich zerdrückt. Die Ärzte haben keine Hoffnung.

Jetzt ist er auf der Intensivstation des Botkinsker Krankenhauses. Und wir haben verboten, die Geräte der Lebenserhaltung abzuschalten. Es ist so: Wenn das, was uns über deine Möglichkeiten bekannt ist, auch in diesem Fall funktioniert, so stehen wir für den Rest unseres Lebens in deiner Schuld. Bitte rette Denis. Alles, was du dafür brauchst, werden wir dir  zur Verfügung stellen. Du trägst keine Verantwortung, wenn etwas nicht gelingen sollte. Wir verstehen, dass man nach der Einschätzung der Ärzte nur auf ein Wunder hoffen kann.

„Was ist mit ihm? Und wenn möglich, beschreibt mir das bitte ausführlich.“

„Es ist einfacher aufzuzählen, was nicht beschädigt ist“, seufzt Boris und beginnt aufzuzählen: „Die Leber ist in einem sehr schlechten Zustand, die Nieren arbeiten fast nicht, die Rippen sind gebrochen, die Därme sind auch gerissen. Sie wurden ein wenig repariert, aber es gibt sehr viele innere Blutungen. Die Ärzte sagen, dass sie nicht täglich zehn Operationen an einem Menschen durchführen können, um mit den Folgen dieser Blutungen fertigzuwerden. Unter diesen Bedingungen, wenn sich die Chemie des Blutes verändert, werden die Därme einfach verfaulen und den ganzen Organismus vergiften. Noch ein sehr ernstes Hämatom gibt es wegen des Schädelhirntraumas. Und die Kehle ist von Glas durchschnitten.

Sie haben sieben Gründe aufgezählt, nach denen Denis eigentlich auf dem Friedhof liegen sollte, und keinen einzigen dafür, dass er leben könnte.

„Lass morgen früh einen Wagen kommen“, stimme ich zu. In meinem Kopf gibt es keinen einzigen Zweifel, ob ich das tun sollte. Mich hat ein Freund um Hilfe gebeten und ich werde alles versuchen, was in meiner Macht steht. Nicht deshalb, weil ich in dieser extremen Situation die neue Technik erproben will. Nein. Einfach weil mein Leben, alles was ich erlebt und erlitten habe, mich zu einer Reihe von Überzeugungen geführt hat. Die Wichtigste ist: Einem Freund, besonders wenn er in Not ist, niemals die Hilfe verwehren. Meine Aufgabe ist zu helfen. Selbst wenn es scheint, dass es vergeblich sein wird, sollte man dennoch versuchen, alles Mögliche daran zu setzten, nahestehende Menschen, die auf deine Hilfe angewiesen sind, nicht zu enttäuschen.

Am nächsten Tag habe ich zwei Mädchen aus der Puschkin-Filiale des Zentrums mitgenommen. Sie wohnten in benachbarten Häusern und es war bequem aus ihnen eine Rettungsmannschaft zu bilden. Edik und Boris kamen pünktlich um 9 Uhr, obwohl sie mein Haus erst um drei Uhr nachts verlassen hatten.

Wir jagen in das Botkinsker Krankenhaus. Beim Eingang der Reanimationsabteilung stehen mehrere Wagen. Es sind Freunde und Partner von Edik und Boris. Sie warten auf unsere Ankunft. Einige waren die ganze Nacht hier.

Wir gehen auf die Station. Der Arzt, der Denis operiert hat, wirkt verdutzt. Er versteht nicht, was ein Akademiker eines anderen Wissensgebietes ausrichten kann, wenn es sich um das Schicksal eines Menschen handelt, der tatsächlich schon zum Tode verurteilt wurde. Trotzdem gibt er uns Krankenhauskittel und erlaubt, ein bis zwei Minuten am Bett des Kranken zu verweilen. Ein schrecklicher Anblick. Ich habe Angst um die Mädchen: Ist es für sie nicht furchtbar, das anzusehen? Nein, sie halten sich tapfer. Die Stimmung ist gut, sie denken an die Arbeit.

Wir gehen aus dem Zimmer hinaus, wieder nach unten. Der Arzt begleitet uns. Boris hat ihn gebeten, nach Möglichkeit, den Hellseherinnen Hilfestellung zu leisten. Die Hellseherinnen sind unsere Mädchen, so nennt Boris sie.

Wir setzen uns in den Jeep. Die „Hellseherinnen“ ziehen eine Binde über die Augen, wir beginnen mit der Arbeit.

Wir betrachten die Energetik. Das Herz-Chakra ist geschlossen. Die anderen arbeiten kaum noch außer der Muladhara im unteren Dreieck der Kräfte. Sie ist rot und nach wie vor aktiv. Alles ist auf sie konzentriert. Über dem Kopf gibt es ein fliederfarbenes Leuchten, das heißt die Energetik hat sich vollständig auf das Astral-Niveau umgeschaltet.

Die Mädchen sehen mit dem inneren Blick und erzählen mir, was sie sehen. Der Arzt hört von Chakren, Energetik. Er erträgt es nicht. Ihn interessiert nur das Soma (der physische Körper).

„Ich weiß nicht, was sie da machen, ich weiß nicht, wie es Denis helfen soll. Aber wenn sie wirklich Zauberer sind, schließlich wurden sie hierher gebeten“, sprach er taktvoll, aber mit offensichtlichen Andeutung darauf, dass man ihn einer absurden Veranstaltung aussetzt, „versuchen sie die Arbeit der Leber zu normalisieren. Wenn man es in den nächsten zwei bis drei Tagen nicht schafft, wird er sterben.“

„Dann“, fuhr der Arzt fort, „muss die Funktion wenigstens einer Niere wiederhergestellt werden. Uns gelingt es nicht. Wir haben keine Zeit. Weiter: der Dickdarm und Zwölffingerdarm. Dort gibt es Hämatome. Genauer gesagt, beide Organe sind ein einziges Hämatom. Ich ergänze: Wenn die Hämatome nicht aufgelöst werden, wird er sterben. Die Lunge ist in einer kritischen Verfassung – dort beginnt eine Entzündung des Herzen. Und es gibt noch ein sehr gefährliches Hämatom im Kopf. So sieht das Programm der Rettung aus. Wenn sie wirklich der Meinung sind, dass sie ihn retten können, wenn sie wirklich verstehen, was sie da machen, so werde ich es nicht wagen, sie dabei zu stören.“ Mit den letzten Worten hat der Arzt die Tür des Wagens geöffnet und ist ausgestiegen.

Es war ganz offensichtlich, dass er vom ganzen Gesehenen außerordentlich entmutigt wurde. Er konnte einfach nicht verstehen, wie normale Menschen sich mit solchen Dummheiten beschäftigen können. Dass an der Sache ein Akademiker teilnahm, gab der Prozedur ganz und gar einen schizophrenen Charakter. Hellsichtige Mädchen mit Binden vor den Augen, die angeblich Organe eines Menschen betrachten, der sich hinter dicken Wänden der Reanimationsabteilung befindet... In der benachbarten psychiatrischen Abteilung gab es ähnliche Typen. Und warum stehen neben ihnen normale erwachsene Menschen, die bei diesem Zirkus vollkommen ruhig bleiben? Auch noch ein Akademiker, der Dokumente vorlegte, deren Authentizität unmöglich angezweifelt werden kann, und der vor einer halben Stunde mit seinem Buch „Der Schlüssel zum Superbewusstsein“ ankam. Wie soll man das verstehen? Vielleicht sind in der Wissenschaft wirklich revolutionäre Veränderungen eingetreten, die er übersehen hatte? Denn die Zeitungen sind ja voll von Berichten über Psychoeinwirkungen, die aus der Ferne vorgenommen werden. Wer weiß schon - vielleicht ist da ein Fünkchen Wahrheit dran?

All diese Zweifel standen in seinem Gesicht geschrieben. Außerdem war es nicht schwer, sie in seinem Bewusstsein zu lesen.

Er ist weggegangen, doch die Mädchen haben ihre Arbeit fortgesetzt. Sie verstanden natürlich nichts von Medizin. Dafür wusste ihr geheimnisvoller Helfer alles: wie die Zelle (die komplizierteste biologische Konstruktion des menschlichen Organismus) aufgebaut ist, wie man durch ihre Manipulation einen Regenerationsmechanismus starten kann, wie man ihre Ressource wiederherstellen kann, wie man die negativen Einwirkungen entfernen kann, wie man das informative Programm der Lebenserhaltung korrigieren kann. Und vieles, vieles mehr.

Die Mädchen sehen durch den Bildschirm des inneren Sehens das ganze erschreckende Bild der Zerstörung innerhalb des Körpers von Denis. Leber, Niere, Darm, gebrochene Rippen,  Ödeme in den Lungen, die bald eine Entzündung hervorrufen werden, sie sehen weiße Behälter vom Hals bis zum Gehirn. Letzteres beunruhigt sie besonders. Die Zellen bekommen wegen der Verletzung der Kapillargefäße keine Nahrung. Sie sterben. Hinter der Kontur des Körpers von Denis gibt es zwei Schatten: einen weißen, wie ein unscharfes Bild eines Mensch und einen schwarzen. Der zweite Schatten, rechts, befindet sich ein bisschen höher als der andere. Er deutet auf den Prozess der Dekonstruktion der energetischen Systeme des Organismus, sie werden vom Strom getrennt, die Feldern der Ernährung und die Steuerungsstrukturen werden abgestellt.

Das Bewusstsein von Denis hat sich vollständig abgeschaltet. Es will den Schmerz nicht ertragen, er will nicht leben, er weiß nicht, wofür er leben soll. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass er zu 99 Prozent tot ist. Nur die Geräte der Lebenserhaltung, die unter dem Druck von Boris nicht abgeschaltet wurden, sein Geld und seine mächtige Mannschaft, die einen 24-Stunden-Dienst in der Abteilung der Reanimation leistet, halten das Bewusstsein gewaltsam im Körper fest.

Das bedeutet, das erste, was man machen muss, ist seiner Existenz einen Sinn zu geben, damit er selbst um sein Leben kämpft.

Wie kann man das erreichen? Im Bewusstsein von Denis leuchtet ein Bild auf: ein kleiner Säugling. Wir vergrößern das Bild. Vor kurzem hat Denis eine Tochter bekommen. So wird das eben das Ziel seines Lebens, seiner Existenz. Wir verstärken das Hologramm mittels Energie.

Der Bildschirm des inneren Sehens zeigt das Kardiogramm und das Enzephalogramm. Die Gehirnimpulse haben sich verstärkt. Denis fing an zu weinen. Seltsam, dass ein Mensch, der sich im Koma befindet, weinen kann.

Es kommt zu einer sehr starken Kompression der Gefäße. Wir müssen die Energiewelle, die wir hervorgerufen haben, ... Fortsetzung hier.

 


 

 
 
   
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