FRIEDEN UND KRIEG
Martin von Pioniers of Change hat einen Newsletter geschrieben, in dem er das Thema unserer Bewertung aufgreift. Ich möchte dir seine Gedanken weitergeben:
Der Mensch wird erst Frieden finden,
wenn er den Kreis seines Mitgefühls auf alles Lebendige ausgedehnt hat.
Albert Schweitzer
Gerade jetzt – inmitten von Aufrüstung, polarisierter Debatte und wachsender Ohnmacht – wird spürbar: Frieden entsteht nicht von allein – sondern dort, wo wir ihn bewusst leben, einüben und gestalten.
Wenn wir über Krieg und Frieden sprechen, denken wir oft an Panzer, Bomben und große Politik. Doch Frieden ist auch eine Fähigkeit, die nicht dort draußen beginnt – sondern in unserer Kultur, unserem Miteinander, in uns selbst.
Der amerikanische Kulturphilosoph Charles Eisenstein beschreibt in einem aktuellen Text eine Mentalität des Krieges – ein Denken, das die Welt in Freund und Feind aufteilt: in Schuld und Strafe, in Kampf und Kontrolle. Dieses Denken wirkt weit über Schlachtfelder hinaus. Es prägt unsere Sprache, unsere Medien, unser privates Zusammenleben – und unsere Innenwelt.
Was aber, wenn genau dieses Denken selbst Teil des Problems ist?
Wir glauben: Friedensarbeit beginnt in uns selbst – dort, wo das „Wir gegen die“ endet.
Das heißt nicht, dass es keine Konflikte mehr geben darf. Aber wir können anders mit Spannungen umgehen: nicht reflexhaft Feindbilder aufbauen oder das Gegenüber entmenschlichen – sondern lauschen: Was ist das tiefere Anliegen? Und dann gemeinsam nach Antworten suchen, die nicht auf Sieg und Niederlage beruhen, sondern auf einer Lösung höherer Ordnung – einer, die mehr Bedürfnisse und Sichtweisen einbezieht.
Auch wenn Friedensarbeit in uns beginnt – sie endet nicht dort. Sie ist kein Ersatz für politisches Engagement, sondern seine tiefere Grundlage. Besonders dort, wo Angst instrumentalisiert oder Gewalt normalisiert wird, braucht es klare Haltung, mutige Stimme und entschlossenes Handeln.
Dazu gehört auch, innerlich zu unterscheiden: WAS finde ich gut oder schlecht – auf Basis meiner Werte? Und nicht zu fragen: WER ist gut oder schlecht? Denn wir können gleichzeitig Mitgefühl für Menschen empfinden – und trotzdem klar gegen ihre Taten Stellung beziehen.
Vielleicht magst du kurz innehalten: Wo zeigt sich in dir oder deinem Umfeld eine Mentalität des Krieges? Und was wäre heute ein kleiner, konkreter Schritt in Richtung Frieden?
martin.kirchner@pioneersofchange.org
Ich halte es für naiv, dass wir Faschismus bannen können, wenn wir uns selbst und andere nicht zu lieben lernen.
…
Selbst wenn morgen das Schlimmste passiert – wenn meine ganze Welt zusammenbricht und ich alles verliere – wird es doch auch ein Übermorgen geben. Und übermorgen wird die Welt irgendwie weiter gehen. Mit mir oder ohne mich. Aber dann will ich etwas darin hinterlassen. Den Traum von dieser Welt, in der wir keine Gewalt mehr vererben und uns nicht im ständigen Kampf sehen. Ich will die Saat darum heute in den Boden säen.
Marina Weisband
in ihrer Rede zum 80. Befreiungstag des KZ Buchenwald





